Mit Leichter Sprache mitten im Leben

Alle Menschen sollen gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilnehmen können: Unter diesem Motto und mit einer Spende in Höhe von 20.000 Euro unterstützt EPCOS in diesem Jahr die Bundesvereinigung Lebenshilfe, die sich um Menschen mit geistiger Behinderung und deren Familien kümmert.

Vom Vorlesen zum Selbstlesen: Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Bundestags, fördert das Interesse für Bücher.

Die deutsche Bundesvereinigung Lebenshilfe wurde 1958 von betroffenen Eltern und Fachleuten gegründet. Sie begleitet Menschen mit geistiger Behinderung in ihrem Bestreben, gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen. Ein wesentlicher Bestandteil dafür ist das Verständnis von Texten, sagt die stellvertretende Bundesvorsitzende Monika Haslberger: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Informationen ohne Hindernisse. Nur dann kann er selbst entscheiden und an allem teilhaben.“ Viele Texte wie Amtsbriefe, Verträge, Zeitungsartikel und Internet-Seiten, aber auch Fahrpläne und Speisekarten seien jedoch nur schwer zu verstehen, besonders für Menschen mit Behinderungen oder eingeschränkten Deutschkenntnissen. Hier setzt das Projekt Leichte Sprache an, das EPCOS im Besonderen unterstützt.

Doch was bedeutet Leichte Sprache eigentlich? Die Lebenshilfe gibt folgende Erklärung: „Leichte Sprache hat kurze Sätze und einfache Wörter. Dafür gibt es einfache Regeln. Mit diesen Regeln kann man schwere Texte in Leichte Sprache übersetzen. Dann kann jeder sie gut verstehen.“ Zu diesen Regeln gehört auch, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten den Text prüfen. Sie entscheiden, welche Formulierungen zu schwierig sind und überarbeitet werden müssen. Dafür wurde eine eigene Prüfergruppe gegründet, die regelmäßig zusammenkommt und Texte in leichter Sprache auf ihre Verständlichkeit überprüft.

Lesen und Schreiben lernen mit Symbolen

Den Zugang zum Lesen und Schreiben bilden Symbole. In der Lebenshilfe Freising, einer großen Einrichtung mit vielen Angeboten und Gruppen von der Kinderkrippe bis hin zur Berufsschule, gibt es überall im Gebäude Symbole. Türen sind mit bestimmten Zeichen beschriftet, zum Beispiel kennzeichnen eine Gitarre und eine Trommel den Musikraum. Auch in der Musikstunde kommen viele Symbole zum Einsatz. Musiktherapeut Frank Aumann und Logopädin Sintje Kantin haben für die Vorschulkinder Lieder vorbereitet, die von einem Tablet PC mit Symbolen unterstützt werden. So können sich die Kinder selbstbestimmt äußern und teilnehmen.

Eigene Entscheidung statt Interpretation anderer

„Man kann gar nicht früh genug damit anfangen, die Kinder ihre eigenen Entscheidungen treffen zu lassen“, sagt Kantin. Viele seien das nicht gewöhnt. „Meistens interpretieren ja andere, was die Kinder wollen, und treffen dann die Entscheidungen für sie.“ Die Lebenshilfe bringe Kindern bei, dass ihre Entscheidungen nicht nur innerhalb der Einrichtung oder des Vereins ernst genommen würden, sondern auch darüber hinaus. „Wir gehen mit den Kindern viel hinaus, zum Beispiel zur Eisdiele, dafür haben wir auch spezielle Symbole auf dem Tablet PC. Die Kinder können dann zeigen: Ich möchte ein Eis in der Waffel, Sorte blauer Engel. Es ruft helle Begeisterung hervor, wenn die Kinder tatsächlich bekommen, was sie haben möchten, der Eisdielen-Besitzer ist schon eine Art Co-Therapeut.“ Für die Umwelt müsse selbstverständlich werden, dass Menschen mit Behinderungen ihre eigenen Entscheidungen treffen. „Die Kinder erhalten so die Sicherheit, dass sie dazu gehören.“

        

„Kommunikation ist ein Menschenrecht“, sagt Hildegard Waldinger, Bereichsleiterin Bildung und Erziehung der Lebenshilfe Freising. „Ohne Kommunikation gibt es keine Teilhabe am Leben.“ Die Leichte Sprache ist dazu ein wichtiger Schlüssel.

Weitere Informationen unter: www.lebenshilfe.de