Dezember 2012

Interview

„TDK ist und bleibt ein Motor des Fortschritts.“

Nahezu der halbe Umsatz des TDK Konzerns entfällt auf das Geschäft mit elektronischen Bauelementen, Modulen und Systemen, die unter den Produktmarken TDK und EPCOS vertrieben werden. TDK President und CEO Takehiro Kamigama erläutert, wie Kunden von der Technologiekompetenz und Innovationskraft des Unternehmens profitieren können.


Worauf legt das Unternehmen bei elektronischen Bauelementen seinen Innovationsfokus?
Auf zuverlässige, technologisch überlegene und auf die Markt- und Kundenansprüche abgestimmte Produkte, die wir möglichst schnell entwickeln und fertigen können und zu einem wettbewerbsfähigen Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten. Heute sind es in der Regel drei wesentliche Forderungen, die an die Systeme, Geräte und Anlagen unserer Kunden und damit auch an unsere Bauelemente gestellt werden: Sie sollen immer kleiner und dabei immer leistungsfähiger sein, weniger Energie verbrauchen und die Umwelt nicht belasten.

Auf welche Märkte konzentrieren Sie sich besonders?
Wir unterstützen Kunden aus allen Abnehmerbranchen, und das möglichst immer mit der vollen Breite unseres beachtlichen Produkt- und Dienstleistungsangebots. Einen besonderen Innovationsschwerpunkt von TDK stellen Lösungen für immer stärker vernetzte Infrastruktursysteme dar. Dazu gehören in der Informations- und Kommunikationstechnologie Anwendungen wie Smartphones, Tablet PCs und Server, die wir unter dem Begriff Cloud Computing zusammenfassen. Ebenfalls im Fokus stehen Smart Grids und Green Energy. In der Automobil-Elektronik bedienen wir die klassischen Felder Powertrain, Safety und Convenience, und auch in der Elektromobilität ist TDK stark engagiert.

Wie können Kunden bei Zukunftstechnologien wie dem Cloud Computing von den Stärken TDKs profitieren?
Durch unsere umfassende Kompetenz bei Materialien, Produkt- und Fertigungstechnologien. Beim Cloud Computing etwa ist das mobile Internet ein maßgeblicher Dreh- und Angelpunkt – und damit das Smartphone, bei dem unsere Produkt-Highlights alle Funktionsgruppen abdecken: vom Audioteil über die Hochfrequenz-Einheiten bis hin zum EMV- und ESD-Schutz, den Akkus sowie der drahtlosen Energieübertragung beim Laden der Geräte. TDK nutzt für seine teils extrem miniaturisierten Produkte neben neuen Materialien und Dünnfilm-Technologien vor allem neuartige Integrationsmethoden sowie Gehäuse und bietet darüber hinaus MEMS-basierte Lösungen an. Dabei wird die Bauelementhöhe zusehends zur entscheidenden Größe. Denn Smartphone-Hersteller müssen immer mehr Funktionseinheiten und Konstruktionselemente in ihren Geräten integrieren, ohne von der gewohnt kompakten Bauform und – noch wichtiger – flachen Ausführung abzuweichen.

Was ist hinsichtlich Miniaturisierung und möglichst flachen Bauelementen technisch heute möglich?
Nehmen Sie unsere EPCOS Surface-Acoustic-Wave-Filter und Duplexer für Mobiltelefone in DSSP®-Technologie (Die-Sized SAW Package). Damit lässt sich der derzeit höchste Grad an Miniaturisierung realisieren. DSSP-Bauelemente sind im Vergleich zu unseren bisherigen Winzlingen um nochmals 40 Prozent flacher: Die Bauhöhe beträgt gerade mal 0,25 Millimeter. DSSP-Filter und -Duplexer werden hauptsächlich für Hochfrequenz-Module konzipiert, um auch deren Bauhöhe weiter drücken zu können. Ein Beleg sind unsere extrem flachen Module auf Basis der TDK Substrattechnologie SESUB (Semiconductor Embedded in Substrate). Um noch niedrigere Einzelbauelemente herstellen zu können, nutzen wir unsere technologisch überlegene Dünnfilm-Technologie, die sich schon bei Magnetköpfen von TDK für Festplatten bewährt hat.

Welche Rolle spielt TDK bei der drahtlosen Energieübertragung?
Für die komfortable, kabellose Energieübertragung haben wir extrem flache Übertragerspulen entwickelt. Dieser Technologiesprung in der Stromversorgung von Mobiltelefonen eröffnet Herstellern mobiler Geräte mehr Freiheiten im Produktdesign: So ist etwa der Wegfall der Ladebuchse ein großer Schritt in Richtung noch dünnerer und sogar wasser- und staubdichter Smartphones.

Zurück zu den zukunftsweisenden vernetzten Infrastrukturen und Smart Grids. Wie ist TDK auf diesem Gebiet positioniert?
Ebenfalls mit einer sehr breiten Palette an fortschrittlichen TDK und EPCOS Produkten. Nehmen Sie den steigenden Anteil der Stromerzeugung mit Windkraft- und Solaranlagen und, in Folge, den Netzausbau zur verlustarmen Energieübertragung. Diese wird erst durch die Hochspannungs-Gleichstromübertragung ermöglicht. In den dafür notwendigen HGÜ-Anlagen sind unsere Folien-Kondensatoren Schlüsselbauelemente bei der Leistungsübertragung. In der Stromversorgung und Regelelektronik dieser Anlagen stecken aber auch unsere EMV-Filter, induktiven Bauelemente und Aluminium-Elektrolyt-Kondensatoren, und unsere Thermistoren werden zur Temperaturüberwachung der Anlagen eingesetzt. Unsere Schutzbauelemente dienen dem Blitzschutz dieser Systeme sowie dem Überspannungsschutz der Stromnetze. Ja, selbst unsere SAW-Filter können in Smart Grids Schlüsselfunktionen übernehmen – beispielsweise dann, wenn sie in Advanced-Metering-Infrastrukturen zur drahtlosen Messdatenerfassung eingesetzt werden. So lassen sich per Funk etwa Zählerstände von Gas- und Wasseruhren sowie Elektrizitätszähler einfach und kostengünstig abfragen. Außerdem können damit über intelligente Schaltsysteme leistungsstarke Verbraucher wie Waschmaschinen bei überschüssigem Energieaufkommen eingeschaltet werden, was Energiekosten senkt und die Umwelt entlastet ...

Womit TDK neben der Miniaturisierung auch die Megatrends Energieeffizienz und Umweltschutz bedient.
Richtig, und wozu dann auch die Elektromobilität gehört. Wie bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen sind bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen elektronische Systeme und Bauelemente gefragt, die Leistungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit steigern. Einen Beitrag dazu leisten etwa unsere EPCOS Leistungskondensatoren für rekuperative Bremssysteme zur Rückgewinnung der Bremsenergie sowie für den Zwischenkreis von Elektroantrieben. TDK leistet darüber hinaus Pionierarbeit bei Hochleistungsmagneten für die Elektromotoren. So bieten wir inzwischen Magnete, die erheblich weniger des sehr teuren und raren Seltenerdmetalls Dysprosium enthalten, wobei ich nicht verschweigen will, dass wir inzwischen Methoden entwickelt haben, um auf Dysprosium sogar ganz verzichten zu können. TDK hat sich als ein langfristiges, technologisches und unternehmerisches Ziel höchst leistungsfähige Magneten gesetzt, die sich völlig ohne Seltene Erden realisieren lassen!

Wie sehen die Rahmenbedingungen aus, dass TDK so viele innovative Lösungen für so unterschiedliche Anwendungsfelder realisieren kann?
Wir verfügen über eine starke hausinterne Technologie-Organisation: Ihr Herz schlägt im Technology Headquarters nahe Tokyo mit insgesamt rund 800 Ingenieuren und Experten. Sie koordinieren Technologie- und Prozesskompetenz über die Grenzen der organisatorischen Einheiten und Tochterunternehmen hinweg, die wiederum in eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen umfangreiche Innovationsarbeit leisten. Hinzu kommt unser Production Engineering Center, in dem Fertigungstechnologien und -maschinen sowie zuverlässige Prozessabläufe für die Massenproduktion neuer Produkte entwickelt werden. Dieses weltweit vernetzte, kompetente und hoch motivierte Team stellt sicher, dass TDK seiner traditionsreichen Stellung als Motor des Fortschritts auch weiterhin zuverlässig entspricht.


Umfassendes Portfolio aus einer Hand: Zum Produktspektrum des TDK Bauelementegeschäfts gehören Keramik-, Aluminium-Elektrolyt- und Folien-Kondensatoren, Ferrite und Induktivitäten, Magnete, Hochfrequenz-Bauelemente wie Surface Acoustic Wave (SAW) Filterprodukte und Module, Piezo- und Schutzbauelemente sowie Sensoren. Daneben bietet der TDK Konzern Produkte für magnetische Anwendungen genauso wie Komponenten zur Speicherung elektrischer Energie, digitale Speichermedien und sonstige Produkte.

DOWNLOAD

Teilen